FUTURE PERSPECTIVES

»Zutiefst menschliche Eigenschaften werden an Bedeutung gewinnen«


In unserer Interviewreihe FUTURE PERSPECTIVES stellen wir Unternehmer:innen und anderen spannenden Persönlichkeiten aus unterschiedlichsten Bereichen und Branchen 11 Fragen zur Zukunft.

In dieser Ausgabe sprechen wir mit Katharina Lutermann, Start-up-Managerin beim OsnabrĂĽck Healthcare Accelerator.

Das Digital Health Startup bietet psychologische Online-Trainings zur Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen wie etwa Depression, aber auch bei Stress, Schlafstörungen, Angst und Panik oder chronischen Schmerzen an.

(1) Eine Sache, die in Zukunft unbedingt erfunden werden muss?

Ich finde, dass es gerade im medizinischen Bereich unglaublich viele Dinge gibt, die noch erfunden werden mĂĽssen. Ich wĂĽrde mich zum Beispiel sehr ĂĽber den Tricorder aus dem Raumschiff Enterprise freuen, der kontaktlos und mobil Krankheiten erkennen kann. Einen ersten Prototypen gibt es bereits, aber der Weg in den Alltag von Patientinnen und Patienten ist noch weit.

(2) Eine Person, von der du viel ĂĽber Zukunft gelernt hast?

Schwierige Frage, denn wer kann uns wirklich etwas über Zukunft lehren? Ich denke, ich habe wirklich viel mitgenommen von einem meiner Professoren im Masterstudium – in Mediengeschichte. Ich denke, dass wir wissen müssen, wo wir herkommen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wo es hingehen könnte.

(3) Ein gesellschaftlicher Missstand, der sich in Zukunft unbedingt verändern muss?

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass wir endlich lernen, die Vielfalt in unserer Gesellschaft wertzuschätzen – und gewinnbringend für uns zu nutzen. Dabei denke ich nicht nur an Female Empowerment, sondern auch an den immer noch viel zu häufig anzutreffenden Alltagsrassismus.

(4) Was wird es in Zukunft nicht mehr geben?

Meine Hoffnung ist, dass in Zukunft die Informationslücken zwischen behandelnden Parteien geschlossen werden. Aktuell gibt es kaum einen datenschutzkonformen Weg, wie z. B. Arzt und Psychotherapeut Patienteninformationen austauschen können. Das behindert natürlich die ganzheitliche Betreuung und auch das individuelle Verständnis für die Patient:innen.

(5) Was wird in Zukunft ganz groĂź werden?

In Zukunft wird lebenslanges Lernen deutlich an Bedeutung gewinnen. Unsere Welt dreht sich immer schneller, das Wissen von gestern ist heute schon veraltet. Deshalb werden wir in Zukunft weniger in statischen Abschlüssen denken, sondern selbstbestimmter lernen und uns ganz selbstverständlich ein Leben lang weiterentwickeln.

(6) Wie werden wir in Zukunft arbeiten?

Corona hat dem mobilen Arbeiten einen riesigen Schub gegeben und dieser Trend wird sich fortsetzen. Wir werden stärker eigenverantwortlich entscheiden, welche Tätigkeiten wir wo ausüben möchten. Aber die Begegnung und direkte Interaktion mit anderen Menschen wird dabei nicht unwichtiger – vielmehr erfährt sie eine Aufwertung!

(7) Wo bist du in deinem Job mit Zukunft konfrontiert?

In meinem neuen Job werde ich jeden Tag mit Zukunft konfrontiert sein – über Start-ups, die neue Ideen im Gesundheitsbereich voranbringen wollen, oder über Traditionals, die innovativer, kollaborativer und wendiger werden möchten. Räume schaffen für neue Ideen und neues Arbeiten im Gesundheitswesen – das ist unsere Mission.

(8) Welche individuellen Fähigkeiten werden in Zukunft entscheidend sein?

Aus meiner Sicht ist es wichtig, eine gewisse Digital Literacy mitzubringen. Darüber hinaus sind es vor allem zutiefst menschliche Eigenschaften, die an Bedeutung gewinnen werden, wie kritisches Denken, Problemlösungsfähigkeit, Kreativität, Kollaboration und Empathie. Wir müssen mit Maschinen umgehen können und gleichzeitig wissen, was uns von ihnen unterscheidet.

(9) Was wird in Zukunft die wertvollste Ressource fĂĽr Unternehmen sein?

Die wertvollste Ressource von Unternehmen sind und bleiben ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben dem Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungen der Menschen steigt der Wert des Sozialkapitals, also der Netzwerke und Verbindungen untereinander. Und zwar nicht nur, weil es einfach netter ist, in einem von Vertrauen und psychologischer Sicherheit geprägten Rahmen zu arbeiten: So ergeben sich auch ganz neue Spielräume für mehr Effizienz und Effektivität.

(10) Was bedeutet Zukunft für dich ganz persönlich?

Zukunft bedeutet für mich Vorfreude, weil ich grundsätzlich ein optimistischer Mensch bin. Ich freue mich einfach sehr darauf zu sehen, wie wir mit dem Accelerator dazu beitragen können, dass das Gesundheitswesen digitaler und gleichzeitig menschlicher wird. Und privat bin ich total gespannt, wie sich meine beiden Söhne entwickeln werden: Etwas Faszinierenderes kann ich mir kaum vorstellen.

(11) Was würdest du deinem 20-jährigen Ich raten?

Nach Mahatma Ghandi würde ich mir raten: »Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.« Wenn wir die zukünftigen Herausforderungen betrachten, kann uns schon mal der Mut verlassen. Aber ein erster Schritt beginnt immer bei mir selbst – und dann erkenne ich, dass doch mehr in meinem Einflussbereich liegt, als ich zuvor vielleicht dachte.


Nils Langhans ist Gründer und Geschäftsführer von KAUFMANN / LANGHANS. Er arbeitete zuletzt als selbstständiger Kommunikationsberater für Startups aus den Bereichen AI, Blockchain und FinTech. Zuvor war er unter anderem für die strategischen Kommunikationsberatungen Hering Schuppener und CNC sowie für den ehemaligen Obama-Berater Julius van de Laar tätig. Nils ist Alumnus der Studienstiftung, Mitglied bei Mensa e.V. und wurde 2018 vom PR Report in das 30-unter-30-Ranking gewählt.