FUTURE PERSPECTIVES

»Wir mĂŒssen weg von der Fließbandmedizin«


In unserer Interviewreihe FUTURE PERSPECTIVES stellen wir Unternehmer:innen und anderen spannenden Persönlichkeiten aus unterschiedlichsten Bereichen und Branchen 11 Fragen zur Zukunft.

In dieser Ausgabe sprechen wir mit Saman Hashemian, Co-Founder und CEO von Kianava. Das Berliner Start-up Kianava bietet integrative Telemedizin fĂŒr chronisch kranke Patient:innen an.

(1) Eine Sache, die in Zukunft unbedingt erfunden werden muss?

Ein System, das nachhaltigen Mehrwert fĂŒr Gesellschaft und Umwelt mindestens gleichermaßen wie Profite belohnt und so ein Gleichgewicht sicherstellt.

(2) Eine Person, von der du viel ĂŒber Zukunft gelernt hast?

Von meinem Geschichtslehrer: Viele Dinge wiederholen sich. Wir können eine Menge aus der Geschichte fĂŒr die Zukunft lernen.

(3) Ein gesellschaftlicher Missstand, der sich in Zukunft unbedingt verÀndern muss?

Wir haben viel zu viele chronisch erkrankte Menschen in der Gesellschaft (ĂŒber 30 Millionen!), obwohl wir in Deutschland tĂ€glich eine Milliarde Euro fĂŒr das Gesundheitssystem ausgeben. Diese Gleichung geht in meinem Kopf nicht auf und muss sich meiner Meinung nach dringend Ă€ndern. Da mĂŒssen wir als Gesellschaft auf vielen Ebenen mehr tun (Bildung, Medizin, Versorgung, Politik etc.).

(4) Was wird es in Zukunft nicht mehr geben?

Medizin ohne digitale UnterstĂŒtzung, wie zum Beispiel KI-basierte Tools und Diagnosemöglichkeiten. Aber immer nur als UnterstĂŒtzung: Wir werden auch weiterhin persönliche Medizin brauchen, denn der Kontakt von Mensch zu Mensch fördert die Gesundheit und wir brauchen diesen direkten Kontakt auch in Zukunft.

(5) Was wird in Zukunft ganz groß werden?

Sehr individuelle Medizin, denn nur das ist gute Medizin. Wir mĂŒssen weg von der »Fließbandmedizin«, die weder Patient:innen noch Ärzt:innen unbedingt gut tut. Auch die »mĂ€nnlich orientierte Medizin«, etwa bei Studien fĂŒr Medikamente, muss sich verĂ€ndern.

(6) Wie werden wir in Zukunft arbeiten?

Die 4-Tage Woche wird kommen und bei uns ist diese auch schon RealitÀt. Wobei die Arbeitszeiten in Zukunft wahrscheinlich gar nicht mehr relevant sein wird, sondern nur die erreichten Ziele.

(7) Wo bist du in deinem Job mit Zukunft konfrontiert?

Die Digitalisierung im Health-Care-Bereich ist die Gegenwart und nicht die Zukunft. Leider sprechen viele Akteure aber noch immer von der Zukunft – das ist meiner Meinung nach ein Kern des Problems.

(8) Welche individuellen FĂ€higkeiten werden in Zukunft entscheidend sein?

Ich bin ĂŒberzeugt, dass Empathie und emotionale Intelligenz immer wichtig sind und in Zukunft wahrscheinlich noch wichtiger werden. Aber auch datengetriebene Entscheidungen werden noch mehr an Relevanz gewinnen, da wir heutzutage noch immer wichtige Entscheidungen treffen, die sich zu sehr auf Ego, Außendarstellung, Hierarchie und persönliche Meinungen stĂŒtzen. Da kann man sehr schnell sehr falsch liegen – mit hohen Kosten fĂŒr Unternehmen und fĂŒr die Gesellschaft.

(9) Was wird in Zukunft die wertvollste Ressource fĂŒr Unternehmen sein?

Gute Mitarbeiter:innen. Man muss sich nur mal die demographische Entwicklung in Deutschland anschauen: Wir haben schlicht immer mehr alte Menschen und zu wenig Nachwuchs.

(10) Was bedeutet Zukunft fĂŒr dich ganz persönlich?

Die Möglichkeit, noch ganz viele schöne, neue und interessante Momente im Leben zu erleben.

(11) Was wĂŒrdest du deinem 20-jĂ€hrigen Ich raten?

Noch mehr von dem tun, was ich als Vater und GrĂŒnder jetzt zeitlich nicht mehr machen kann. Zum Beispiel mit dem Rucksack im Zug durch Europa reisen.