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Die besten Bücher für die ruhigen Tage – Teil I

11 Minutes

Die Tage kalt, besinnlich, es knistert vor lauter Weihnachten, es knistert der Kopf noch nach, malmt die Bilder und Gedanken und Aufgaben des letzten Jahres, und erst ganz langsam: Ruhe. Zeit für sich, Einkehr, das Lesen, das tiefe Beschäftigen mit den Dingen abseits des tagtäglichen Reizstroms. Genießen Sie es! Wir mögen Sie mit einigen Empfehlungen in diese ruhige Zeit begleiten – mit Büchern, die uns in diesem Jahr am Herzen lagen, die den Blick geweitet, Wissen vertieft, Perspektiven eröffnet haben. Im ersten Teil empfiehlt Nils fünf gute Bücher – und einen Schelmenroman.

Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen  Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne

Auf der einen Seite Generation Greta, Green New Deal und Gender Studies, auf der anderen Seite Trump, Brexit und Rechtspopulismus – Wie ist es möglich, dass wir als Gesellschaft progressiv wie nie und gleichzeitig regressiv wie lange nicht agieren? Andreas Reckwitz, Professor für Kultursoziologie, liefert ein spannendes Erklärstück über die Gleichzeitigkeit von historisch Ungleichzeitigem. Der umfassende gesellschaftliche Strukturwandel der Postmoderne, so Reckwitz, ist von Paradoxien und Polarisierungen geprägt. Fortschrittsfreude und Unbehagen gegenüber der Veränderung liegen eng beieinander, ja bedingen einander. Ein spannender, ein weitreichender Gegenwartsbefund, den man nur unbedingt empfehlen kann.

Rachel Botsman: Who can you trust  How technology brought us together and why it could drive us apart

Der Titel ist das einzig Plakative an diesem tiefschürfenden, in Teilen virtuosen Abriss über das Vertrauen als Schmierstoff unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Vom Handel in mittelalterlichen Dörfern bis zum Online-Shopping-Giganten Alibaba, vom selbstfahrenden Auto bis zur Blockchain-Technologie: Entlang von anschaulichen Geschichten skizziert Rachel Botsman die Mechanismen, nach denen Vertrauen entsteht, und beschreibt ebenso eingängig, wie diese Mechanismen durch Technologie verändert und redefiniert werden. Die Einsichten, die »Who can you trust« über die Genese, die Fragilität und die technische Vermittlung von Vertrauen liefert, sind das aktuell spannendste, was zum Thema »Vertrauen im digitalen Zeitalter« geschrieben wurde.

Jean-François Lyotard: Das postmoderne Wissen

»Das postmoderne Wissen«, 1982 zunächst in einer kleinen kanadischen Publikation erschienen, ist einer der philosophischen Schlüsseltexte der Postmoderne. Jean-François Lyotard entwickelt in seiner Analyse – ausgehend von Wittgensteins Theorie der Sprachspiele – einen Rahmen für den zum Ende des 20. Jahrhunderts einsetzenden (und inzwischen weiter voranschreitenden) fundamentalen gesellschaftlichen wie technologischen Umbruch: die Postmoderne. Mit ihr einher geht, so Lyotard, das Ende der großen Erzählungen (Lyotard begründet in diesem Text das heutige Modewort »Narrativ«) und die sich fortschreibende gesellschaftliche Fragmentierung. »Das postmoderne Wissen« ist fraglos eine fordernde, nicht voraussetzungsfreie Lektüre, doch lohnt die Mühe, da der Text einen intellektuellen Unterbau und Verständnisrahmen für eine Fülle von Gegenwartsphänomenen liefert.

Franz Liebl, Thomas Düllo: Strategie als Kultivierung

Was muss Strategie unter den Bedingungen fortgeschrittener Individualisierung und gesellschaftlicher Fragmentierung leisten? Die beiden UdK-Professoren Franz Liebl und Thomas Düllo betrachten den Strategiebegriff aus kulturwissenschaftlicher Perspektive und entwickeln so neue Kategorien für strategisches Denken und Handeln, die den Herausforderungen des digitalen Zeitalters gerecht werden. Eine kulturwissenschaftlich wie betriebswirtschaftlich fundierte Lektüre, die die Notwendigkeit einer Verschränkung von Strategieentwicklung und Strategieimplementierung unterstreicht und aufzeigt, wie Strategiearbeit im digitalen Zeitalter funktionieren kann.

Stefan Baron, Guangyan Yin-Baron: Die Chinesen  Psychogramm einer Weltmacht

Wer die Zukunft verstehen will, der muss China verstehen. Das Ehepaar Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron hat das derzeit wohl umfassendste deutschsprachige Werk über China verfasst, das Sigmar Gabriel, Heinrich von Pierer und die Bundeszentrale für politische Bildung einhellig über den grünen Klee loben. Zu Recht, denn dieses Buch ist ein spannender, kenntnisreicher und dennoch leicht verdaulicher Rundumschlag, der von den geistes- und kulturgeschichtlichen Grundlagen über Erziehung, Sozialisation, Kommunikation, Moral und Geschlechterrollen bis hin zur Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie zur Innen- und Außenpolitik Chinas reicht. Eine Tour d’Horizon im besten Sinne – gut geschrieben, enorm faktenreich, unbedingt lesen.

Rafael Horzon: Das weiße Buch

Rafael Horzon, der Elon Musk der Torstraße, wie ihn einst die Welt betitelte, der große Schelm, der Künstler, der unbedingt Unternehmer sein will, der Unternehmer ist, der große Grenzenverwischer, eben dieser Rafael Horzon schreibt in »Das weiße Buch« eigentlich alles Wichtige auf, was man als Unternehmer, ach was, was man als Mensch wissen muss. Ein furchtbar witziger, lebenskluger Schelmenroman, voll von Leichtigkeit, voll von Magie und Übertreibung, von Wahrheit und Poesie. Die wichtigste Lektion dieses Buchs: Nehmen Sie sich nie, nie, nie zu ernst. Es gilt: Der Spaß an der Sache.


Nils Langhans ist Gründer und Geschäftsführer von KAUFMANN / LANGHANS. Er arbeitete zuletzt als selbstständiger Kommunikationsberater für Startups aus den Bereichen AI, Blockchain und FinTech. Zuvor war er unter anderem für die strategischen Kommunikationsberatungen Hering Schuppener und CNC sowie für den ehemaligen Obama-Berater Julius van de Laar tätig. Nils ist Alumnus der Studienstiftung, Mitglied bei Mensa e.V. und wurde 2018 vom PR Report in das 30-unter-30-Ranking gewählt.