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Wir empfehlen:


Die besten Bücher für die ruhigen Tage

20 Minutes

Die Tage kalt, besinnlich, es knistert vor lauter Weihnachten, es knistert der Kopf noch nach, malmt die Bilder und Gedanken und Aufgaben des letzten Jahres, und erst ganz langsam: Ruhe. Zeit für sich, Einkehr, das Lesen, das tiefe Beschäftigen mit den Dingen abseits des tagtäglichen Reizstroms. Genießen Sie es! Wir mögen Sie mit einigen Empfehlungen in diese ruhige Zeit begleiten – mit Büchern, die uns in diesem Jahr am Herzen lagen, die den Blick geweitet, Wissen vertieft, Perspektiven eröffnet haben.

Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen  Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne

Auf der einen Seite Generation Greta, Green New Deal und Gender Studies, auf der anderen Seite Trump, Brexit und Rechtspopulismus – Wie ist es möglich, dass wir als Gesellschaft progressiv wie nie und gleichzeitig regressiv wie lange nicht agieren? Andreas Reckwitz, Professor für Kultursoziologie, liefert ein spannendes Erklärstück über die Gleichzeitigkeit von historisch Ungleichzeitigem. Der umfassende gesellschaftliche Strukturwandel der Postmoderne, so Reckwitz, ist von Paradoxien und Polarisierungen geprägt. Fortschrittsfreude und Unbehagen gegenüber der Veränderung liegen eng beieinander, ja bedingen einander. Ein spannender, ein weitreichender Gegenwartsbefund, den man nur unbedingt empfehlen kann.

Rachel Botsman: Who can you trust  How technology brought us together and why it could drive us apart

Der Titel ist das einzig Plakative an diesem tiefschürfenden, in Teilen virtuosen Abriss über das Vertrauen als Schmierstoff unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Vom Handel in mittelalterlichen Dörfern bis zum Online-Shopping-Giganten Alibaba, vom selbstfahrenden Auto bis zur Blockchain-Technologie: Entlang von anschaulichen Geschichten skizziert Rachel Botsman die Mechanismen, nach denen Vertrauen entsteht, und beschreibt ebenso eingängig, wie diese Mechanismen durch Technologie verändert und redefiniert werden. Die Einsichten, die »Who can you trust« über die Genese, die Fragilität und die technische Vermittlung von Vertrauen liefert, sind das aktuell spannendste, was zum Thema »Vertrauen im digitalen Zeitalter« geschrieben wurde.

Jean-François Lyotard: Das postmoderne Wissen

»Das postmoderne Wissen«, 1982 zunächst in einer kleinen kanadischen Publikation erschienen, ist einer der philosophischen Schlüsseltexte der Postmoderne. Jean-François Lyotard entwickelt in seiner Analyse – ausgehend von Wittgensteins Theorie der Sprachspiele – einen Rahmen für den zum Ende des 20. Jahrhunderts einsetzenden (und inzwischen weiter voranschreitenden) fundamentalen gesellschaftlichen wie technologischen Umbruch: die Postmoderne. Mit ihr einher geht, so Lyotard, das Ende der großen Erzählungen (Lyotard begründet in diesem Text das heutige Modewort »Narrativ«) und die sich fortschreibende gesellschaftliche Fragmentierung. »Das postmoderne Wissen« ist fraglos eine fordernde, nicht voraussetzungsfreie Lektüre, doch lohnt die Mühe, da der Text einen intellektuellen Unterbau und Verständnisrahmen für eine Fülle von Gegenwartsphänomenen liefert.

Franz Liebl, Thomas Düllo: Strategie als Kultivierung

Was muss Strategie unter den Bedingungen fortgeschrittener Individualisierung und gesellschaftlicher Fragmentierung leisten? Die beiden UdK-Professoren Franz Liebl und Thomas Düllo betrachten den Strategiebegriff aus kulturwissenschaftlicher Perspektive und entwickeln so neue Kategorien für strategisches Denken und Handeln, die den Herausforderungen des digitalen Zeitalters gerecht werden. Eine kulturwissenschaftlich wie betriebswirtschaftlich fundierte Lektüre, die die Notwendigkeit einer Verschränkung von Strategieentwicklung und Strategieimplementierung unterstreicht und aufzeigt, wie Strategiearbeit im digitalen Zeitalter funktionieren kann.

Stefan Baron, Guangyan Yin-Baron: Die Chinesen  Psychogramm einer Weltmacht

Wer die Zukunft verstehen will, der muss China verstehen. Das Ehepaar Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron hat das derzeit wohl umfassendste deutschsprachige Werk über China verfasst, das Sigmar Gabriel, Heinrich von Pierer und die Bundeszentrale für politische Bildung einhellig über den grünen Klee loben. Zu Recht, denn dieses Buch ist ein spannender, kenntnisreicher und dennoch leicht verdaulicher Rundumschlag, der von den geistes- und kulturgeschichtlichen Grundlagen über Erziehung, Sozialisation, Kommunikation, Moral und Geschlechterrollen bis hin zur Wirtschafts- und Arbeitswelt sowie zur Innen- und Außenpolitik Chinas reicht. Eine Tour d’Horizon im besten Sinne – gut geschrieben, enorm faktenreich, unbedingt lesen.

Armin Nassehi: Muster  Theorie der digitalen Gesellschaft

Armin Nassehi ist gegenwärtig der wohl einflussreichste Soziologe Deutschlands: Professor an der LMU, Spiritus Rector der Baerbock-Habeck-Grünen, Herausgeber der legendären Kulturzeitschrift »Kursbuch« und eben Autor von: »Muster – Theorie der digitalen Gesellschaft«. Nun sollte man dieses Buch nicht bloß lesen, da Nassehi derzeit in aller Munde ist, sondern allen voran, da es ein ausgesprochen gutes, kluges Buch ist. Eines, das etwas vermittelt, das in vielen allzu aufgeregten Debatten fehlt: Kontext, Einordnung, tiefes Wissen. Nassehi versucht sich in »Muster« an nicht weniger als einer Gesellschaftstheorie und schafft die Grundlage für einen Perspektivwechsel: Statt der Panikmache “Was macht die Digitalisierung mit uns?” stellt er die Frage, was die Gesellschaft mit der Digitalisierung macht? Unbedingt lesenswert.

Marc Stickdorn und Jakob Schneider: This is Service Design Thinking

Software as a Service, Mobility as a Service, Future as a Service – der Service ist DIE zentrale Dareichungsform von Wertschöpfung in der postindustriellen Epoche. Doch im Zuge der zunehmenden Allverfügbarkeit von Allmöglichen steht die Frage, was gute Services ausmacht, wie sie entstehen und wie die Grenzen zwischen Produkten und Services in Zukunft verwischen. Marc Stickdorn and Jakob Schneider leisten in ihrem Standardwerk »Service Design Thinking« wertvolle Aufklärungsarbeit und liefern einen interdisziplinär fundierten Ansatz zum Design von innovativen Services und dazu eine Fülle an Tools, Methoden, Best Practices und Case Studies. Ein Fachbuch im besten Sinne.

Rutger Bregman: Utopien für Realisten

Berühmt wurde Rutger Bregman, als er Anfang des Jahres in Davos der globalen Wirtschaftselite die Leviten las: statt Krokodilstränen über den Zustand der Welt zu vergießen und sich in Philanthropie zu ergehen sollten die in Davos versammelten Milliardäre doch bitte zunächst mal ihre Steuern bezahlen. Das Video wurde millionenfach angesehen, die Botschaft schlug ein. Doch der niederländische Historiker Bregman, geboren im Jahr 1988, hat noch mehr deutliche Botschaften parat: Mit »Utopien für Realisten« liefert er ein leidenschaftliches, mitreißendes Plädoyer für utopisches Denken – und Handeln. Bregmans Hypothese: Wir leben in der westlichen Welt in nie gekanntem Wohlstand und haben das utopische Denken verlernt. Bregman begnügt sich nicht mit dem gewohnten Weltverbesserungs-Klein-Klein, sondern wagt sich an die großen Linien: Grundeinkommen, offene Grenzen und eine radikale Verringerung der Arbeitszeit sind nur einige der Antworten, für die er im Angesicht der Herausforderungen unserer Zeit plädiert. Er stützt seine Thesen mit einer Fülle von Studien und liefert so einen sicher streitbaren, aber dennoch lesenswerten, in seiner Dringlichkeit seltenen Debattenbeitrag zur Frage: Wie wollen wir leben?

Thomas Ramge: Mensch und Maschine  Wie Künstliche Intelligenz und Roboter unser Leben verändern

Thomas Ramge, einer der führenden Digitalerklärer im deutschsprachigen Raum, widmet sich in diesem kleinen, keine 100 Seiten starken Reclam-Band, der Künstlichen Intelligenz. Wie leistungsfähig ist Künstliche Intelligenz tatsächlich und welchen Limitationen unterliegt sie im Heute und im Morgen? Und wie verschiebt sich die Rolle des Menschen, wenn smarte Maschinen immer intelligenter werden? Ramge erläutert, ordnet ein und bebildert mit sehr plastischen Beispielen und Geschichten. Eine sachkundige, verständliche und kurzweilige Einführung in das Themenfeld Künstliche Intelligenz, die keines großen Vorwissens bedarf.

Shermin Voshmgir: Token Economy  How Blockchains and Smart Contracts Revolutionize the Economy

Was kommt nach dem Hype? Für die Blockchain-Technologie beleuchtet Shermin Voshmgir, Direktorin des Forschungsinstituts für Kryptoökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien, diese Frage detail- und kenntnisreich. Von den Eigenheiten und der Governance dezentraler Anwendungen und Netzwerke über Smart Contracts und Stable Coins bis hin zu Fragen nach der Zukunft des Geldes – »Token Economy« ist aktuell das anspruchsvollste, kompletteste und fundierteste Buch zum Themenkomplex Blockchain und eine Leseempfehlung für all jene, die sich jenseits von Hype und Buzzwords eingehend mit dem Thema auseinandersetzen wollen.

Marcus Vetter: Das Forum (Film)

In Davos trifft die globale Elite zusammen und sucht nach Antworten auf einige der dringendsten Fragen unserer Zeit. Insbesondere im Angesicht zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und globaler Spannungen sind Foren wie das Weltwirtschaftsforum umso wichtiger – und der Film »Das Forum« liefert einen spannenden, kurzweiligen Blick hinter die Kulissen von Davos. Die beste, ergreifendste Szene: Angela Merkel wird kurz vor Beginn ihres Auftritts gefragt, ob sie bereit sei. Sie antwortet: »I am ready – as far as you can be ready in life« – Das unprätentiöse, dienende Machtverständnis Merkels, maximal verdichtet, gebannt in einen Satz. Ein Satz voll Menschlichkeit, Klugheit und Demut.

Rafael Horzon: Das weiße Buch

Rafael Horzon, der Elon Musk der Torstraße, wie ihn einst die Welt betitelte, der große Schelm, der Künstler, der unbedingt Unternehmer sein will, der Unternehmer ist, der große Grenzenverwischer, eben dieser Rafael Horzon schreibt in »Das weiße Buch« eigentlich alles Wichtige auf, was man als Unternehmer, ach was, was man als Mensch wissen muss. Ein furchtbar witziger, lebenskluger Schelmenroman, voll von Leichtigkeit, voll von Magie und Übertreibung, von Wahrheit und Poesie. Die wichtigste Lektion dieses Buchs: Nehmen Sie sich nie, nie, nie zu ernst. Es gilt: Der Spaß an der Sache.


Nils Langhans ist Gründer und Geschäftsführer von KAUFMANN / LANGHANS. Er arbeitete zuletzt als selbstständiger Kommunikationsberater für Startups aus den Bereichen AI, Blockchain und FinTech. Zuvor war er unter anderem für die strategischen Kommunikationsberatungen Hering Schuppener und CNC sowie für den ehemaligen Obama-Berater Julius van de Laar tätig. Nils ist Alumnus der Studienstiftung, Mitglied bei Mensa e.V. und wurde 2018 vom PR Report in das 30-unter-30-Ranking gewählt.

Dominik Kaufmann ist Gründer und Geschäftsführer von KAUFMANN / LANGHANS. Er arbeitete zuletzt als Projektleiter für die Strategie- und Organisationsberatung undconsorten und beriet dort DAX- und TecDAX-Unternehmen bei den Themen Transformation, Agilisierung und Vertrieb. Zuvor war er als Market Manager für die Daimler AG tätig. Dominik ist Alumnus der Studienstiftung und Mitglied bei Mensa e.V..